

Ich habe früh gelernt, genau auf Menschen zu schauen. Nicht, weil sie mich besonders interessiert hätten, sondern weil Wegschauen gefährlich war. Mein Blick richtete sich auf Menschen, weil ich darauf achten musste, wie sie sich verhalten – vor allem dann, wenn sie unter Druck stehen.
Diese Aufmerksamkeit entstand aus einer tiefen Verunsicherung heraus und aus dem Bedürfnis, irgendwie durchzukommen. Es ging darum, Situationen einzuschätzen, Stimmungen wahrzunehmen, fein zu reagieren. Diese Antennen haben sich damals gebildet. Nicht bewusst, nicht geplant, sondern aus der Situation heraus.
Die Zeit heilte die Wunden nicht, aber sie schenkte mir Abstand. Irgendwann war ich nicht mehr mittendrin. Dieser Abstand hat etwas verändert. Er gab mir Spielraum, mit dem Erlebten umzugehen.
Ich bin in der DDR aufgewachsen, in einem System, das wenig Spielraum ließ und früh Anpassung verlangte. Als junge Frau habe ich erlebt, wie eng es werden kann, wenn man einen anderen Weg gehen will. Diese Erfahrungen führten mich schließlich ins Frauengefängnis Hoheneck.
Das ist kein Kapitel, das ich erzähle, um Eindruck zu machen. Es ist Teil meiner Geschichte. Und es erklärt, warum mir Wachheit, Freiheit und Eigenverantwortung nicht theoretisch erscheinen, sondern lebensnah.
Heute muss ich nichts mehr absichern oder einschätzen, um durchzukommen. Ich bin da, im Kontakt, ohne Eile und ohne den Anspruch, etwas lösen zu müssen. Mir ist wichtig zu verstehen, was da ist – nicht zu wissen, was daraus werden soll. Heute kann ich stehen bleiben und Orientierung geben.

Mein beruflicher Weg begann im Handwerk. Als Glasmalermeisterin habe ich fast zwanzig Jahre lang eine Werkstatt geführt und junge Menschen in ihrer Ausbildung begleitet. In dieser Zeit ging es nicht nur um fachliche Fähigkeiten, sondern auch um persönliche Entwicklung, Orientierung und das Durchstehen schwieriger Phasen.
Aus dieser Erfahrung heraus hat sich mein heutiger Schwerpunkt entwickelt:
die Begleitung von Menschen in herausfordernden Lebens- und Arbeitssituationen.
Dafür habe ich mich gezielt weiterqualifiziert – als systemischer Coach, Kunsttherapeutin und Live-Coach. Ergänzend arbeite ich seit vielen Jahren als Coach im Rahmen beruflicher Eingliederungs- und Stabilisierungskonzepte.
Meine Arbeit verbindet handfeste Erfahrung mit fundierter Ausbildung. Sie ist geprägt von Praxisnähe, systemischem Denken und einer kreativen, menschenzugewandten Haltung.








